Der Profoß und Stecken-Knecht
„Bei jedem Regiment war ein Profos angestellt, welcher Ruthen besorgte, wenn ein Soldat Gassen laufen sollte, die eines Betrugs überwiesenen Marketender und Soldaten-Weiber peitschen ließ, die Ober-Aufsicht über alle Arrestanten führte, gegenwärtig war, sobald dieselben gefesselt oder losgeschlossen werden sollten, sie verpflegte, und daher auch die Schlüssel zu sämmtlichen Arrest-Localen, Ketten u. s. w. bewahren mußte. Dafür erhielt er nicht nur einen bestimmten Sold, sondern jeder Arrestant mußte beim Eintritt in das Gefängniß ihm 4 gGr., und für jedes Fest- oder Losschließen der Ketten 6 Pf. Honorar zahlen. Unterofiiziere mußten das Doppelte geben; hatte sich aber ein Offizier schwer vergangen, uns Arrest in der Stube des Profos bekommen, so verabreichte er demselben täglich 1 Thlr. Stand das Regiment im Lager, so hatte der Profos die Latrinen säubern zu lassen, baaufsichtigte die Marketender, hielt streng darauf, daß gesetzliches Maaß, Gewicht und die Taxe beobachtet wurden, und bezog auch dafür eine Remuneration. Hiernach hatte er also gar keine schlechte Revenüen, aud galt er überall für eine Ehren-Person, zumal er meistens aus der Zahl der tüchtigsten Unteroffiziere gewählt und im Regiment von ihm ausdrücklich gesagt wurde: „ Es muß ein ordentlicher und honetter Mann seyn, der auch niemals Etwas thun oder zu thun hat, so nicht honett ist!.“ - Anders erging es seinen Knechten. Das waren starke, robuste Leute, bezeichnet durch den Namen „Stecken-Knechte“. Die allgemeine Stimme verachtete sie gleich Henkers-Knechten, und nannte sie unehelich, weshalb sie denn auch eine sehr kenntliche Montur (hellblaue, gelbe oder zeisiggrüne Röcke, mit eben solchen Strümpfen und einen weißen Hut) tragen mußten. Wollte man sie ehrlich machen und als Rekruten einstellen, so bedurfte es hierzu folgender Ceremonien: Das Regiment bildete einen Kreis, in welchen der Stecken-Knecht r ü c k w ä r t s hineinging, seinen Hut mit den Zähnen haltend, und die Hände vor der Brust gefaltet. Auf die Frage, was er wolle, kniete er nieder, und flehte um des gestrengen Herrn Obersten Fürwort bei dem Regiment, daß ihn dasselbe für ehrlich anerkennen und unter die Zahl der Soldaten aufnehmen wolle, worauf der Oberst das Gewehr präsentieren ließ, den Hut abnahm, die Mannschaft mit des Stecken-Knechts Wunsch bekannt machte, und fragte: Ob die gesonnen wäre, denselben als Kameraden aufzunehmen? Wenn einstimmig „Ja!“ gerufen worden, redete der Oberst auch den Stecken-Knecht an, und erkannte ihn als einen ehrlichen Mann, wonach dieser rasch seinen weißen Hut über das Regiment hinwegschleuderte, und seine bunte Montur abwarf. Jetzt trat ein Fähnrich vor ihn, schwenkte die Fahne, berührte damit dreimal des Stecken-Knechtes Kopf und Sprach: Das thue ich im Namen des Herrn! Das thue ich im Namen des Regiments! Das thue ich in meinem eigenen Namen!.“ So war der Mann ehrlich gemacht, worauf er sich laut bedankte, sogleich in eine der Compagnien eingestellt wurde und man bei Spießruthen-Strafe verbot, ihm sein früheres Gewerbe vorzuwerfen.“ |
| Abb.: Adolph Menzel stellte einen Profoß beim Herstellen von
Ruthen dar.
Lit.:
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