| Bilderhandschrift, militärische
Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich die einheitliche
Uniformierung von Regimentern und Armeen weitgehend durchgesetzt. Sie war
ein äußeres Zeichen dafür, daß die Armee als stehendes
Heer dem absolutistischen Herrscher unterstand. Um die Besonderheiten der
einzelnen Regimenter festzuhalten, erwuchs das Interesse an ihrer bildlichen
Darstellung. So entstanden Widerspiegelungen der Uniformen ganzer Armeen
oder Armeeabteilungen, die B. Erste Formen der B waren Farbkataloge und
-tabellen, die nur schematisch die Abzeichenfarben der Regimenter wiedergaben
und ohne schriftliche Erläuterungen nicht auskamen. Sie waren schnell,
einfach und billig herzustellen. Die Zeichner benötigten kaum künstlerisches
Talent. Aus den Farbkatalogen entwickelten sich die Tableaus, die die Uniformen
einer Armee auf nur einem Bogen darstellten. Das heute bekannteste unter
ihnen ist das Darmstädter Tableau von 1770, die preußische Armee
illustrierend. Ein Mann pro Regiment wurde in jeweils gleicher Haltung,
in 6 Zeilen nebeneinander stehend, dargestellt. Dieses Ölgemälde
hat hohen kulturhistorischen Wert und ragt auf Grund seiner Ausführung
hervor. Es wurde im Auftrag des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt
gemalt. Die am Ende des 18. Jahrhunderts sehr verbreiteten Tableaus wurden
dagegen als kolorierte Zeichnungen oder Drucke hergestellt. Die wichtigste
Form der B sind die sogenannten Schematismen, die besonders zahlreich Mitte
des 18. Jahrhunderts erschienen. Sie bilden keine Figuren ab, sondern zeigen
nur die Uniformröcke, die Kopfbedeckungen und manchmal auch die Fahnen
der einzelnen Regimenter. Beispiel dafür sind die beiden Dessauer
Spezifikationen von 1729 und 1737, die durch besonders aufwendige Ausführung
hervorstechen. Bekannt sind ferner die zahlreichen Ausgaben der Schematismen
Carl Wellners. Als Weiterentwicklung der Schematismen gelten die Serien,
die ganze Figuren darstellen, oftmals einen Gemeinen und einen Offizier
pro Regiment. Manchmal sind sie durch Genreszenen ergänzt worden,
die Spezialeinheiten oder Soldatenalltag vermitteln. Diese Darstellungen
sind von unterschiedlichem kulturhistorischem Wert, der besonders durch
den Informationswert und die Ausführung bestimmt wird. Von den in
naiverer Ausführung gestalteten B sind heute u. a. die sogenannte
Bautzener Bilderhandschrift und die Bechersche Handschrift erhalten. Beide
bilden auch Nichtkombattanten ab. Die Bautzener Bilderhandschrift stellt
die österreichische Armee um 1762 dar, während Becher Typen verschiedener
Kontingente der Reichsarmee zur Zeit des Siebenjährigen Krieges zeigt.
Von künstlerisch geschulter Hand gefertigt sind die Albertina-Handschrift
in Wien, die österreichische Armee von 1762 präsentierend, und
die Handschrift „Uniformes Prussiennes et Saxonne“ aus der Zeit um 1758,
die im Berliner Zeughaus verwahrt wird. Mit der steigenden Nachfrage an
B brachten Buchhändler und Verleger immer zahlreicher kolorierte Kupferstichfolgen
auf den Markt, die die Armeen der einzelnen Länder darstellten. Zahlreiche
Serien wurden von der Firma Raspe in Nürnberg produziert. Neben den
bereits genannten B sind aus heutiger Sicht die von Schmalen, Horvath,
Thieme, Ramm und Doepler die wichtigsten, die über die Uniformierung
der altpreußischen Armee Auskunft geben.
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