Berlin, Garnison im 18. Jahrhundert

Mit der Bildung des stehenden Heeres in Preußen in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde B Garnisonstadt. Die ersten Truppen waren einige Kompanien Garde. 1701 standen immerhin schon 2920 Mann Infanterie und 320 Mann Kavallerie, 100 Pioniere, 60 Kadetten und 5 Kompanien Artillerie in der Stadt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts vergrößerte sich die Garnison beständig weiter. 1739 hatte die Garnison bereits 3 Infanterie- und 2 Kavallerie-Regimenter, sowie Pioniere und Artillerie, zusammen 8 - 9.000 Mann. Unter Friedrich dem Großen wuchs die Anzahl der in B stationierten Regimenter auf 7 Infanterie-, 3 Garnison- und 3 Kavallerie-Regimenter, wozu die Einheiten der Artillerie, Pioniere, Kadetten und Invaliden kamen. 1777 lebten in B 27334 Soldaten, davon 9279 Beurlaubte, mit 11301 Frauen und 14334 Kindern, zusammen 52969 Militärpersonen. Während der Kriege war die ständige Garnison erheblich verringert. Neben einigen Bataillonen Garnisontruppen waren nur Rekruten, Rekonvaleszenten und verwundete bzw. kranke Soldaten in der Stadt, selten mehr als 3 - 4000 Mann. Die starke Garnison in B führte im Laufe des 18. Jahrhunderts zum Entstehen zahlreicher Militärbauten. 1706 wurde das 1695 begonnene Zeughaus fertig gestellt, 1703 wurde die Garnisonkirche eingeweiht und 1748 das Invalidenhaus eröffnet. Die alten Befestigungsanlagen B wurden 1734 abgerissen, da sie die Entwicklung der Stadt hemmten. Die Stadt wurde nun durch eine einfache Zollmauer begrenzt, die nicht zuletzt die Desertion erschweren sollte. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Soldaten ausschließlich in Bürgerquartieren untergebracht, mit Ausnahme eines Teils der Mannschaft des Regiments Gendarmes, für den über den 1735-38 erbauten Ställen am Gendarmenmarkt Unterkünfte vorhanden war. Für die Bürgerschaft war die Einquartierung ein ständiges Ärgernis. Zwar erhielten sie für ihre Zwangsgäste eine Entschädigung, doch waren die Soldaten so unbeliebt, daß sich Friedrich schließlich gezwungen sah, den Bau von Kasernen voranzutreiben. Die ersten Kasernen in B entstanden in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie reichten jedoch nicht aus, alle Soldaten unterzubringen. Noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Stadt Soldaten in Bürgerquartieren. Der Soldatenalltag bestand vor allem  aus dem Exerzieren und der Pflege der Montur. Täglich zogen fast 1000 Mann auf Wache, 15 Stadttore und 18 Wachen innerhalb der Stadt waren zu besetzen. Das Traktament der Soldaten war sehr gering. Um sich zusätzliches Einkommen zu sichern, konnten sich beurlaubte Soldaten in der Stadt Verdienstmöglichkeiten suchen. Viele traten als Arbeiter in Manufakturen ein, die wiederum vor allem für den Bedarf des Heeres produzierten. Andere verdingten sich als Tagelöhner. Die Garnison brachte für B einen bescheidenen zusätzlichen wirtschaftlichen Aufschwung, wenn man in Betracht zieht, daß die Soldaten und ihre Familien Bedarf an Nahrung, Bekleidung und Ausrüstung hatten. Andererseits hatten sie selbst zu wenig Geld, um den Markt beleben zu können, und obendrein belastete ihre Anwesenheit die Bürgerschaft mit Service- und Versorgungsleistungen. B hatte im 18. Jahrhundert die größte Garnison Preußens, vor Magdeburg und Stettin; nahe lagen weitere Garnisonen in Spandau und vor allem in Potsdam, wo 1786 allein ca. 6500 Mann stationiert waren.
 

Lit.: 
  • Jany, Curt: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914, Neudruck der 2. Auflage, Osnabrück 1967.
  • Schulz, Helga: Berlin 1650 - 1800. Sozialgeschichte einer Residenz, Berlin 1987.
  • Woche, Klaus-Rainer: Vom Wecken bis zum Zapfenstreich. 400 Jahre Garnison Berlin, Berg am See 1986.


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