| Adjutant, Adjutantur
A. (lat.), dem Truppenbefehlshaber zur Unterstützung beigegebener Offizier. Zur höhern Adjutantur rechnet man die Adjutanten der Brigade aufwärts; persönliche Adjutanten sind fürstlichen Personen, Heerführern, dem Kriegsminister, Reichskanzler zugeordnete Offiziere; General- und Flügeladjutanten, Offiziere im persönlichen Dienst regierender Fürsten. Das Wort A ist dem Lateinischen entlehnt und
bedeutet
soviel wie Gehilfe. Es wurde zunächst in Frankreich für die
seit
1558 nachgewiesenen „aide-majors“, Gehilfen des Majors, benutzt, die
später
„adjudants“ hießen. Von hier gelangte das Wort in die deutsche
Militärsprache.
Die A teilten sich in die untere Adjutantur, das waren die A der
Bataillone
und Regimenter, und die höhere Adjutantur. Zu letzterer
gehörten
die A der Brigaden aufwärts, die Flügel-, General- und
persönlichen A. Auf Bataillons- bzw. Regimentsebene ernannte die A
der Regimentskommandeur aus dem Offizierkorps seines Regiments. Sie
hatten
den Kommandeur bei seinen Führungsaufgaben, der Ausbildung und
beim
militärischen Geschäftsgang zu unterstützen. Oftmals
teilten
sie die Dienste ein, führten Tage- und Meldungsbücher und
hatten
Meldungen entgegenzunehmen und zu überbringen. Verfügte das
Regiment
über einen Stabsoffizier (Major), waren sie diesem untergeordnet
und
im übrigen Vorgesetzte des Stabspersonals des Regiments. Die A ab
Brigade aufwärts bearbeiteten Personal- und
Disziplinarangelegenheiten
sowie spezifische Aufgaben ihrer Dienststelle. Die höhere
Adjutantur
befahl in Preußen der König durch Kabinettsorder. Im Krieg
hatten
diese A hauptsächlich Aufgaben der Befehlsübermittlung und
Verbindung
zu erfüllen, wurden oft zahlenmäßig verstärkt und
den Stäben der mobilen Korps zugeordnet. Zur größeren
Beweglichkeit
waren alle A beritten. General- und Flügeladjutanten blieben den
jeweiligen
Landesfürsten und kommandierenden Generalen vorbehalten. Im
Frieden
waren sie für Schreib- und Geschäftsangelegenheiten
zuständig,
nahmen Meldungen entgegen, überbrachten Befehle und wurden bis hin
zur Ausführung diplomatischer Aufträge gebraucht. Sie
erfreuten
sich des besonderen Wohlwollens ihres Fürsten oder Generals und
hatten
die besten Karriereaussichten. Im Krieg wurden A mitunter
kommandierenden
Generalen als Berater beigegeben. General- und Flügeladjutanten
gab
es mit unterschiedlichen Dienstgraden, vom Leutnant bis zum General.
Ferner
gab es die persönlichen A, die Angehörigen regierender
Fürstenhäuser
sowie Generalen und Chefs bestimmter Kommandobehörden zugeteilt
wurden.
Der erste Generaladjutant ist in Preußen 1668 und der erste
Flügeladjutant
1683 nachgewiesen. Unter Friedrich II. bekam die Stellung des
General- und
Flügeladjutanten mehr Gewicht als bisher. 1740 ernannte der
König
7 Generaladjutanten und übernahm Oberst Graf v. Hacke als 1.
Generaladjutanten,
was dieser bis 1742 blieb. Die Anzahl reduzierte Friedrich in den
folgenden
Jahren, ab 1758 gab es immer nur einen Generaladjutanten. Zu
Flügeladjutanten
wurden 1740 vorerst 4 Offiziere ernannt, die Zahl erhöhte sich in
Kriegszeiten bis auf über 20 gleichzeitig. Insgesamt ernannte
Friedrich
II. während seiner Regierungszeit 21 General- und 75
Flügeladjutanten.
Der 1. Generaladjutant hatte das Listen- und Rapportwesen unter sich
sowie
das Pensions- und Invalidenwesen und bereitete Revuen und Manöver
vor. Im Feld hatte er die Dienstaufsicht über das Personal des
Hauptquartiers.
Einige General- und Flügeladjutanten hatten festgelegte
Geschäftsbereiche,
die meisten wurden jedoch nach Bedarf von Friedrich II. mit bestimmten
Aufgaben betraut. In Kriegszeiten erhielten sie mitunter
selbständige
Aufgaben und Kommandos oder wurden Kommandeure. Viele
Flügeladjutanten
hatten das Kommando über eines der Grenadier-Bataillone. Die
jüngeren
Flügeladjutanten versahen den eigentlichen Adjutantendienst im
Felde,
überbrachten Befehle, übernahmen Aufklärungsaufgaben und
führten die Kolonnen. Im Frieden nutzte Friedrich II. die
Möglichkeit,
den Flügeladjutanten, im Sinne späterer
Generalstabsoffiziere,
umfassendere Ausbildung zukommen zu lassen, um sich einen Stamm
jüngerer
und befähigter Generale zu schaffen. Einer der bekanntesten unter
den Flügel- und später Generaladjutanten war Hans Karl von
Winterfeld,
der in den ersten beiden Kriegsjahren des Siebenjährigen Krieges
zum
Teil die Aufgaben eines Generalstabschefs wahrnahm. Er war mit den
strategischen
Plänen Friedrichs II. bestens vertraut, da er an deren Entstehung
beteiligt gewesen war. Winterfeld wurde deshalb mehrmals
selbständig
kommandierenden Generalen als Berater an die Seite gestellt. |
Lit.:
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